Kurze Einführung in den Jahreskreislauf der Vogelwelt in Nordost-Island

Von Jóhann Óli Hilmarsson, Vorsitzender von Fuglavernd

Nordost-Island bietet eine Vielfalt ausgezeichneter Plätze zur Vogelbeobachtung. Die Vogelwelt und die Standorte sind außerordentlich verschieden, geprägt von Hochland-Oasen, weltbedeutenden Seen für die Vögel, reiche Wälder und Buschland. Zahlreiche Feuchtgebiete, kleine Teiche und Flussdeltas gehören dazu, Moorgebiete sind weit verbreitet. Nordost-Island besitzt Küstenabschnitte und Strände, viele mit arktischem Charakter. Die Klippen wimmeln von Seevögeln, die meist leicht aus der Nähe zu beobachten sind.

Wenn im April der Frühling beginnt und das Eis auf den Seen schmilzt, stellen sich auf Island die Zugvögel ein. Felder, Strände, Teiche, Seen und Flüsse sind überfüllt mit Vögeln aus Europa und Afrika. Die Frühbrüter, Kolkraben und Gerfalken, haben bereits Eier gelegt und Ende April beginnt der Ohrentaucher seinen großartigen Balztanz.

Im Mai erreichen die Balztänze zahlreicher Entenarten ihren Höhepunkt. Mai und Juni sind für die Vogelbeobachtung die günstigste Zeit. Die Natur erholt sich vom langen, harten Winter, die Vögel sind ausgesprochen aktiv und gut zu beobachten. Das Land ist erfüllt mit Vogelgezwitscher, Balzlauten und großartigen Schauspielen, die Sonne verschwindet kaum unter dem Horizont und die Symphonie der Natur kennt kein Ende. Die Erpel erscheinen in dieser Zeit besonders beeindruckend, wenn bei den Eisenten und den Spatelenten heftig um die Weibchen und die Reviere gestritten wird. Kragenenten huschen die Flüsse entlang, der Eistaucher ruft auf den Seen und an der Küste bekommt man Papageitaucher, Dreizehenmöwen, Eiderenten und andere Seevögel zu sehen, die dort ihre Nester bauen und Eier legen.

Im Juli scheint sich alles zu beruhigen und die Altvögel sind damit beschäftigt, ihre Brut zu füttern und großzuziehen. Die Erpel mausern und versammeln sich. Die Erpel der Kragenenten und Trauerenten ziehen aufs Meer. Im August versammeln sich die Vögel für ihre Wanderung und die mit den längsten Wegen, wie z.B. der Regenbrachvogel und die Küstenseeschwalbe streben ihren Winterquartieren zu. Der Mývatn ist dann wie alle anderen Seen voll mit Enten, wenn die Brutsaison erfolgreich war. Im September ist dann die Hauptwanderzeit in Nordost-Island, wobei Gänse, sowie einige Enten- und Sperlingarten erst im Oktober wegfliegen. Viele Vögel bleiben jedoch auch im Winter in der Gegend. Am Mývatn und an der Laxá bleiben einige Bereiche den ganzen Winter über eisfrei und ziehen Singschwäne, Spatelenten, Gänsesäger und Stockenten an. An der Küste findet man jetzt noch viele Vögel. Der Kormoran spannt seine Flügel aus, Eiderenten und Eisenten sind zu beobachten, ebenso Möwen und andere Standvögel. Zu dieser Zeit können auch Besucher wie Prachteiderenten und Krabbentaucher gesichtet werden.

Fotos auf dieser Seite: Jóhan Óli Hilmarsson

 

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